Waltraud Joa
Beauftragte des Landkreises Ostallgäu für Menschen mit Handicap
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ÖPNV - barrierefrei!

Erstellt von W. Joa |

Marktoberdorf - Wie steht es um einen barrierefreien öffentlichen Personennahverkehr im Allgäu?
Mit dieser Frage beschäftigte sich vergangene Woche das Netzwerk der Behindertenbeauftragten und -beiräte der Offenen Behindertenarbeit in der Region Allgäu. Seit dem Jahr 2000 besteht dieses Netzwerk, das sich unter anderem verstärkt für eine Gleichstellung behinderter Menschen im Allgäu einsetzt.

Waltraud Joa, Sprecherin des Netzwerkes und Beauftragte für Menschen mit Handicap im Ostallgäu, erklärte in ihrer Begrüßung, dass die Mobilität vor allem für ältere sowie behinderte Menschen ein äußerst wichtiges Thema sei. Schließlich sei die Mobilität die Grundlage für eine Teilhabe am öffentlichen Leben. Und so müsse eine flächendeckende Versorgung gerade dieser Zielgruppen oberstes Gebot sein.

Wirtschaftsreferent Peter Däubler, der im Auftrag der verhinderten Landrätin an dieser Veranstaltung
teilnahm, wies in seinem Grußwort darauf hin, dass man im Landkreis Ostallgäu stets ein offenes Ohr für die Belange von Menschen mit Handicap habe. Ein gutes Beispiel sei das barrierefreie Landratsamt
selbst. Und so werde man sich auch künftig verstärkt für diesen Personenkreis einsetzen.

Im Hauptreferat ging Ministerialrat Carsten Fregin, Leiter des Referats"Allgemeiner öffentlicher
Personennahverkehr" (ÖPNV) im Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr, gezielt
auf die vollständige Barrierefreiheit im öffentlichen Nahverkehr und auf das novellierte Personenbeförderungsgesetz (PBefG) ein.

Ebenso wurden Fördermaßnahmen zu einzelnen Projekten in Bayern vorgestellt.

So würde der Freistaat Bayern allein im Jahr 2019 rund 94 Millionen Euro für derartige Projekte zur
Verfügung stellen. Tirschenreuth, Gunzenhausen, Günzburg und auch Mindelheim hätten im ÖPNV bereits einiges- vor allem durch den Einsatz von "Flexibussen" - in derZwischenzeit erreicht. Speziell
diese flexiblen Bedienformen der Personenbeförderung sollen ausgebaut werden. "Rufbusse" seien
zudem eine sinnvolle Ergänzung zum Linienverkehr. Dadurch entfielen unnötige Leerfahrten, da wirklich nur bei Bedarf gefahren werde. Der barrierefreie Ausbau von Haltestellen und flexible Bedienformen seien weitere Schwerpunkte. Endziel müsse es sein, flächendeckend jedem Bürger, auch den 7,2 Millionen Einwohnern im ländlichen Raum, eine attraktive Beförderung im ÖPNV zu bieten.

Ehrenamtliche "Bürgerbus-Projekte" wären eine weitere Möglichkeit. Ebenso Anruf-Sammel und Linien-Taxis. Dies alles seien wirklich zu bewältigende Herausforderungen. Obwohl der Pkw nach wie vor gebraucht werde, könne durch ein flächendeckendes flexibles Nahverkehrsnetz im ländlichen Bereich eine Verlagerung zum ÖPNV erreicht werden, so Fregin.

Bis 2022 vollständige Barrierefreiheit
Abschließend gab der Ministertalrat noch eine kurze Einführung in die gesetzlichen Grundlagen einer barrierefreien Mobilität. Diese sei bereits im Grundgesetz fest verankert. Auch im PBefG werde gefordert, die Belange der in ihrer Mobilität eingeschränkten Menschen voll zu berücksichtigen. Und so müsse bis zum 1. Januar 2022 für die Nutzung im ÖPNV eine vollständige Barrierefreiheit erreicht werden.

Kein "Schnellschuss"
EineAnfrage von Marktoberdorfs 1. Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell über Vorarbeiten und einer daraus
sicher gebenden Zeitschiene bis zur Verwirklichung eines derartigen Projektes, sorgte für eine gewisse
Ernüchterung und Enttäuschung. So mache ein "Schnellschuss" wenig Sinn. Mit Vorplanungen, Konzessionsgenehmigungen und dementsprechenden Ausschreibungen müsse man bis zu einem erfolgreichen Abschluss schon mit einer Gesamtdauer von drei bis vier Jahren rechnen.

Neues Bus-Konzept
Die Besucher der Tagung hatten auch die Möglichkeit, drei verschiedene barrierefreie Busse auf dem Parkplatzgelände vor dem Landratsamt zu besichtigen. Dabei wurde den interessierten Besuchern der Unterschied zwischen einem "Easy-Bus" und einem herkömmlichen Fahrzeug gezeigt. Wie Pierre Dellori von der Firma IVECO-BUS erklärte, habe man gemeinsam mit der Hochschule Fresenius ein neues Konzept für alters- und behindertengerechtes Fahren erarbeitet. So fiel bereits beim Einstieg eine Rampe für Rollatoren an der Vordertür auf. Beim Mitteleinstieg sind sogar Rollstühle möglich. Farblich gelbe Markierungen erleichtern obendrein die Orientierung im Fahrgastinneren und weisen in einem zusätzlich verbreiterten Gang den Weg zum geeigneten Sitzplatz.
In Dreier-Sitzgruppen im vorderen Bereich können Rollatoren vor dem Fahrgast positioniert werden. Außerdem sorgen speziell angeordnete gepolsterte Rückenlehnen und an Rollstuhlfahrer angepasste Stellbereiche für mehr Halt und Stabilität während der Fahrt. Im südlichen Ostallgäu ist bereits seit einiger Zeit bei der DB Regio-Tochter "Regionalverkehr Allgäu GmbH" (RVA) ein derartiger "Easy-Bus" im Einsatz.

Der Mobilitätsbeauftragte der Deutschen Bahn AG für den Freistaat Bayern, Karl-Heinz Holzwarth, sicherte zu, dass der Marktoberdorfer Bahnhof bis zum Jahr 2023 barrierefrei ausgebaut sein soll. Kaufbeuren stehe diesbezüglich
nicht im Fokus. kdk

Quelle: Kreisbote Kaufbeuren

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Der "Easy-Bus" im Test: Wirtschaftsreferent Peter Däubler (v. Ii.), die Sprecherin des Netzwerkes Allgäu Waltraud Joa, Ministerialrat Carsten Fregin und 1. Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell. Foto:Körber