Waltraud Joa
Beauftragte des Landkreises Ostallgäu für Menschen mit Handicap
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"Jeder hat gesagt, dass er bleiben soll"

Erstellt von W. Joa |

Der Ort des Geschehens war kein Zufall. Agnes Schragl, Stadträtin der Freien Wähler, ist zugleich Behindertenbeauftragte der Stadt, zusammen übrigens mit Rita Steher von der CSU, die die Veranstaltung ebenso besucht hat wie Bürgermeister Dr. Stephan Winter, die Stadtratskollegen Hans-Georg Wawra, Ingrid Friedrich, Franz Pschierer und Roland Ahne. Schragl ist die Aufgabe Herzensangelegenheit. Im Vorjahr hat sie erstmals einen solchen Informationstag auf die Beine gestellt. Nun galt es, Zwischenbilanz zu ziehen. Und diese konnte sich sehen lassen.
Von elf Schülern, die die Förderschule verlassen haben, konnten sieben in Betrieben unterkommen. Die Übrigen sind in berufsbildenden Maßnahmen, in Jungarbeiterklassen oder beim Berufsbildungswerk untergebracht und hätten noch die Chance auf Arbeit.
Das berichtete Marianne Mayer, die an der Mindelheimer Förderschule Lehrerin ist. Sie ist an der Seite von Agnes Schragl unermüdlich bestrebt, um Betriebe zum Mittun zu gewinnen. Staatsminister Miller lobte die Stadt Mindelheim dafür, dass sie sich so stark für die Integration von Menschen mit Behinderung einsetzt. Und er strich die segensreiche Rolle von Mayer und Schragl besonders hervor.

Die Gesellschaft, sagte Miller, werde daran gemessen, wie sie mit jenen umgeht, die der Hilfe bedürfen. Der Landkreis Unterallgäu verdiene hier besondere Anerkennung, weil es hier mehr als anderswo gelingt, Menschen mit Behinderung Zugang ins Arbeitsleben zu verschaffen. Allerdings räumte Miller ein, dass die fortschreitende Globalisierung dazu führe, dass immer mehr einfachere Arbeiten auch wegfallen.

Die Folge: Immer mehr Menschen mit Behinderungen kämen nur noch in Werkstätten unter. Die Unterallgäuer Werkstätten beschäftigen, wie die Mitarbeiter Andrea Paukert und Charly Braun berichteten, 430 behinderte Menschen in sieben Betriebsstätten, drei davon übrigens in Mindelheim.
Josef Miller sagte, er sei in der Nähe von Ursberg aufgewachsen. Ihn habe immer das herzliche Lachen dieser Menschen beeindruckt. Er kenne im Unterschied dazu, die „am Herzen“ behindert seien.
Miller betonte, dass mit öffentlicher Anerkennung viel bewirkt werden kann. Zwar sollte es normal sein, dass alle Menschen Zugang zum Arbeitsleben fänden. Aber es sei sehr hilfreich, wenn die Betriebe, die Personen mit Behinderung eine Chance geben, auch gelobt werden. Sechs von insgesamt 19 Unternehmen, die sich ihrer Verantwortung in besonderer Weise stellen, durften sich über Urkunden freuen. Es sind dies:
Herbert Biechele, Chef des Restaurants Untere Mühle aus Schwabmühlhausen. Die Laudatio hielt Landrat Dr. Hermann Haisch. Firmenchef Biechele gab Peter Munding die Chance. Und jetzt sei dieser auf dem Weg zum Koch.
Alexandra und Alexander Kotter. Friseursalon Bad Wörishofen. Der stellvertretende Bürgermeister Josef Fischer lobte das Unternehmen.
Herbert Stahihut, seit 22 Jahren Ausbilder bei der Baufirma Glass in Mindelheim. Das Unternehmen hat 197 Lehrlinge ausgebildet, darunter waren 17 Behinderte. Stahlhut versprach, einen weiteren Arbeitsplatz einem Behinderten zur Verfügung zu stellen. Aus seiner Erfahrung berichtete er, dass Menschen mit Behinderung zwar mehr Zuwendung bräuchten. Sie seien aber sehr motiviert und hielten treu zum Unternehmen. Wenn es beide, Lehrherr und Auszubildender, geschafft hätten, sei das „fast so, wie wenn er und ich die Goldmedaille bei Olympia gewonnen haben“. Die Urkunde überreichte Mindelheims Bürgermeister Dr. Stephan Winter, der auch den nachfolgenden Unternehmer lobte:
Dieter Kustermann, Geschäftsführer des V-Marktes Mindelheim, Glass und V-Markt, betonte Winter, verdienten großen Dank für ihren Einsatz. Kustermann sagte, er werde auch in Zukunft in diesem Sinne handeln.
Hans Roth, Storchenbrauerei Pfaffenhausen, berichtete von einem jungen Auszubildenden, der immer besser geworden sei. Am Ende hätten sich die Mitarbeiter dafür ausgesprochen, den Jungen weiter zu beschäftigen. „Jeder hat gesagt, dass er bleiben soll“, sagte Roth. Das Selbstwertgefühl des Jugendlichen habe im Laufe der Zeit stark zugenommen. Pfaffenhausens Bürgermeister Roland Krieger nannte Roth einen Vorzeigeunternehmer.
Peter Flöring, Edeka Ettringen, beschäftigt ein junges Mädchen mit Behinderung. Er sagte, nicht die Noten seien entscheidend. Dafür, dass sich der Lebensmittelmarkt für Behinderte stark macht, gab es lobende Worte von Ettringens Bürgermeister Robert Sturm.

Auf der halbtägigen Veranstaltung präsentierten sich Behörden und Behinderteneinrichtungen. Für Speis und Trank sorgten Jugendliche mit Behinderung. In einer abschließenden Diskussionsrunde gab es vertiefende Informationen, wohin sich Unternehmer  wenden könnten. Neben der Agentur für Arbeit, den Kammern ist das auch das lntegrationsamt. Letzteres hat seinen Sitz in Augsburg und ist über die Rufnummer 0821/5709-3026 insbesondere auch für Firmen Ansprechpartner. Die Diskussion leitete die BR-Studioleiterin Margot Waltenberger-Walte, die im Herbst in Mindelheim bei „Jetzt red i“ war. Auf dem Podium standen Rede und Antwort: Johannes Mayr (Integrationsamt), Dr. Wolfgang Asam (Abteilungsleiter Rehabilitation/Schulen vom lntegrationsfachdienst), Peter Habla (Regierung von Schwaben), Johann Dandl (Industrie- und Handelskammer), Claudia Pröll-Ostler (Beraterin Integration Schwerbehinderter, Handwerkskammer) sowie Unternehmerin Agnes Schragl.

Folgende weitere 13 Betriebe wurden
für ihren Einsatz für Behinderte öffentlich belobigt:
Metzgerei Ehrentreich, Kettershausen
Metzgerei März, Breitenbrunn
Metzgerei Geiger, Kirchheim
Verpackung Müller, Eppishausen
Bedachung Bauer, Türkheim
Bau Kerler, Rammingen
Gaststätte Stern, Rammingen
Lackiererei Sommer, Bad Wörishofen
Bau Kreuzer, Bad Wörishofen
Metzgerei Natterer/Schmid, Mindelheim
Bäckerei Fässler, Mindelheim
Autowerkstätte Schragl, Mindelheim
Bürobedarf Hundegger, Mindelheim.

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Behindertenbeauftragte Agnes Schragl freute sich mit Peter Flöring vom Edeka-Markt in Ettringen.
Behindertenbeauftragte Agnes Schragl freute sich mit Peter Flöring vom Edeka-Markt in Ettringen.
Lehrerin Marianne Mayer
Lehrerin Marianne Mayer