Waltraud Joa
Beauftragte des Landkreises Ostallgäu für Menschen mit Handicap
 Telefon: +49 (0) 8342 - 42945

Rund 10000 Bürger mit Handicap

Erstellt von W.Joa |

Marktoberdorf/Ostallgäu (vit). 7,4 Prozent der Ostallgäuer gelten als behindert. Von rund 134 500 Einwohnern hatten laut amtlicher Statistik 9900 ein Handicap von mehr als 30 Prozent. 8224 Personen galten Ende 2004 sogar als Schwerbehindert, das heißt zu mehr als 50 Prozent eingeschränkt. Diese Zahlen hat Waltraud Joa ermittelt. Als Behindertenbeauftragte des Landkreises und der Stadt Marktoberdorf engagiert sich die 62-Jährige seit 2003 verstärkt für Menschen mit Behinderung. Der große Anteil zeige, wie wichtig es ist, barrierefrei zu bauen und behindertengerechte Arbeitsplätze zu schaffen. Joa sieht für das Ostallgäu auch gute Chancen mit speziellen Tourismusangeboten.

 

Als die SPD-Kreisrätin 2002 die Ämter übernahm, die das Gleichstellungsgesetz fordert, stand sie ziemlich alleine. Mittlerweile verfügen alle Ostallgäuer Gemeinden über Ansprechpartner für Behinderte. Kürzlich lud Joa diese auch zu einem Treffen im Landratsamt. Joas Anliegen ist, Barrieren abzubauen und die Integration zu fördern. So will sie ein selbstverständliches Miteinander behinderter und nicht behinderter Menschen erreichen.
In der täglichen Arbeit setzt Joa beim barrierefreien Bauen an. Zu diesem Zweck führt sie mit örtlichen Behindertenbeauftragten und Bürgermeistern immer wieder Ortsbegehungen durch. So will sie den Blick auf Barrieren öffnen, die den Alltag erschweren.
Joa versucht bei allen Sonderbauten die Belange Behinderter einzubringen. Denn öffentlich genutzte Bauten, egal ob Schule oder Supermarkt. Parkhaus und Praxis sollen barrierefrei zugänglich sein. Joa wirbt auch darum, im Privatbereich möglichst viele Wohnungen barrierefrei zu erstellen. Unterstützung erhält sie von der Bayerischen Architektenkammer.
Anliegen Joas ist zudem, Menschen mit Handicap bei der Jobsuche zu helfen. In Gesprächen versucht sie Bedenken zu nehmen. Dabei merkt sie, dass viele Arbeitgeber Angst haben, einen Behinderten nicht mehr ausstellen zu dürfen, falls die Zusammenarbeit nicht passt. Doch auch hier stimmt das lntegrationsamt in rund 80 Prozent Entlassungen zu.

Wichtig ist Joa, alle Arten von Behinderungen zu berücksichtigen. Denn behindert sei nicht gleich Rollstuhlfahrer: Die Statistik etwa verzeichnet für Marktoberdorf 26 Blinde und acht Gehörlose. Doch auch Menschen mit anderen schweren körperlichen und geistigen Erkrankungen zählen als Schwerbehindert. Verzeichnet werden zudem 150 Gehbehinderte, die ohne Auto maximal 100 Meter zurücklegen können. Joa weiß, dass die Statistik oft hinterher hinkt: Sie selbst ist auf den Rollstuhl angewiesen und kennt in Marktoberdorf mehr als die offiziell erfassten drei Rollstuhlfahrer. Der Grund: Vor einigen Jahren noch war beispielsweise Joa mit Krücken unterwegs und eine neue Einstufung erfolgt erst, wenn ihr Schwerbehindertenausweis verlängert wird. Auch viele Senioren verzichten auf eine „offizielle“ Meldung. „Hier geht es meist nur um die Feststellung der Pflegestufe, nicht aber um den Behindertenausweis.“
Urlaubsangebote schaffen
Die Behindertenbeauftragte rät darüber hinaus, im Tourismus Spezial-Angebote zu schaffen. Ein Gasthof in Schwangau hat Zimmer speziell für Behinderte ausgestattet. Diese seien trotz höheren Preises häufiger belegt als die anderen Zimmer. Vor allem Senioren „gönnen“ sich diese Unterkünfte, da sie mehr Komfort böte als andere Räume.
Noch viele Ideen hat Waltraud Joa, wie sich das Ostallgäu als Region für barrierefreien Tourismus positionieren könnte. Dazu zählt auch ein Boot für barrierefreies Segeln auf dem Forggensee oder ein Tastmodell von Neuschwanstein, das Sehbehinderten einen Eindruck des Traumschlosses vermittelt.
Um all das zu bewerkstelligen, brauche man einen langen Atem, meint sie. Nur so könne man für die Belange dieses Personenkreises sensibel machen. Wichtig sei, dass Menschen mit Behinderung sich selbst um ihre Belange kümmern. Um Informationen zu bekommen und gleichzeitig das Ostallgäu auf höherer Ebene zu vertreten, wirkt Joa auch im Bayerischen Behindertenrat mit. Durch solches Engagement wurde aus dem Ehrenamt ein Vollzeitjob, den Joa mit großem Einsatz ausfüllt.

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Alle Gemeinden im Ostallgäu haben Ansprechpartner für die Belange von Menschen mit Behinderung benannt. Bei der Behindertenbeauftragten des Landkreises, Waltraud Joa (vorne links), laufen die Fäden zusammen. Regelmäßig will sie mit den kommunalen Beauftragten wie hier im Landratsamt Informationen austauschen.
Alle Gemeinden im Ostallgäu haben Ansprechpartner für die Belange von Menschen mit Behinderung benannt. Bei der Behindertenbeauftragten des Landkreises, Waltraud Joa (vorne links), laufen die Fäden zusammen. Regelmäßig will sie mit den kommunalen Beauftragten wie hier im Landratsamt Informationen austauschen.