Waltraud Joa
Beauftragte des Landkreises Ostallgäu für Menschen mit Handicap
 Telefon: +49 (0) 8342 - 42945

Jahresbericht 2006 der Behindertenbeauftragten Ostallgäu

Als Behindertenbeauftragte verstehe ich mich als Ansprechpartnerin und Mittlerin zwischen den Interessen behinderter Menschen, den Behindertenverbänden und -organisationen, den Rehabilitationsträgern, der öffentlichen Verwaltung und der Politik. Ein Schwerpunkt meiner Tätigkeit ist vor allen darauf gerichtet, dass der Lebensraum behinderter Menschen barrierefrei gestaltet wird.
Denn jeder Mensch hat den Wunsch, ein möglichst eigenständiges und selbstbestimmtes Leben zu führen. Selbstständigkeit bedeutet Lebensqualität, und  Lebensqualität ist ein zentraler Faktor für die Zufriedenheit und auch für die Leistungsfähigkeit eines Jeden.

Aus meiner vielschichtigen Arbeit stelle ich Ihnen vier Beispiele vor:

Begehung Obergünzburg

Bei einem kleinen Rundgang mit Nicola Paolini, Behindertenbeauftragter vor Ort und Bürgermeister Herbert Schmid wurden verschiedene Gebäude und Plätze stichprobenartig begutachtet, ob die im Bundes- und Landesgleichstellungsgesetz geforderte Barrierefreiheit gegeben ist.

Veranstaltung „Mit Klischees aufräumen“ in Hopfen am See

„Behinderte einstellen? Niemals. Die haben hohe Fehlzeiten, sind nicht leistungsstark und kaum mehr zu kündigen." Solche Klischees bekommt Waltraud Joa, Behindertenbeauftragte für den Landkreis Ostallgäu, oft von Arbeitgebern zu hören. Zeit mit diesen Klischees ein für allemal aufzuräumen, dachte ich mir und lud zusammen mit Füssens Bürgermeister Christian Gangl zu einem Vortrag über behinderte Menschen auf dem ersten Arbeitsmarkt.
Eine der Referenten war Frau Bröll-Ostler von der Handwerkskammer Schwaben. Sie unterstützt Behinderte bei der Ausbildung, der Fortbildung und der Existenzgründung und kann dabei auf zahlreiche Erfolge verweisen: „Zum Beispiel haben wir die Schaffung eines Arbeitsplatzes für einen Industrieelektroniker mit 9900 Euro bezuschusst. Die Gesamtkosten lagen bei 26 000 Euro." Um solche Arbeitsplätze zu schaffen, müssen sich die Unternehmen vorneweg Gedanken dazu machen, so Referentin Dr. Uta Müller. Das Zentrum für Weiterbildung und Wissenstransfer Universität Augsburg (ZWW), das sie vertritt, unterstützt bei der Verwirklichung dieses Ziels. Finanzielle Unterstützung gibt es in Form von Eingliederungszuschüssen bei der Einstellung eines behinderten Menschen, einer prozentualen Erstattung der Ausbildungsvergütung oder Zuschüsse zu einer befristeten Probebeschäftigung. Dabei sind die Gelder, die es zur richtigen Gestaltung des Arbeitsplatzes dazu gibt, unbegrenzt. Wie Erich Heckel von der Bundesagentur für Arbeit aus Kempten aus der Erfahrung belegen kann, unterschreibt er pro Woche vier Anträge auf Zuschüsse. Zu einer erfolgreichen Zusammenarbeit von Arbeitgebern mit behinderten Arbeitnehmern trägt auch der Integrationsfachdienst Kempten bei. Karl Blasczyk vom Zentrum Bayern Familie und Soziales/Integrationsamt räumt das letzte Klischee vom Tisch: „Man kann Behinderten durchaus kündigen, wenn das Integrationsamt zustimmt. Und das wird es tun, wenn die Belange des Arbeitgebers über den Belangen des Behinderten stehen“.

Die Rechte der behinderten Menschen ist eine Sache, für die es sich lohnt, sich zu engagieren", wie Bürgermeister Christian Gangl zum Schluss feststellt.

Nachgefragt:

Welche Bedeutung hat eine Veranstaltung wie diese in Hopfen?
Joa: Die Veranstaltung soll Bürgermeister und ihre Verwaltungen, sowie Arbeitgeber sensibilisieren, nachzudenken, wo sie zusätzliche  Arbeitsplätze für Behinderte schaffen können.

Veranstaltung „Woche der Sinne“

„Hereinspaziert" lautete das Motto der „Woche der Sinne", in der sehende Besucher eine für sie ganz fremde Welt wahrnehmen können und damit Verständnis gewinnen sollen für „Anders-sein", für Menschen mit Behinderung. Veranstalter sind die Behindertenbeauftragte des Landkreises Ostallgäu, die Offene Behindertenarbeit Ostallgäu, die Selbsthilfegruppe für Gehörlose Marktoberdorf und der Arbeitskreis für die Belange Behinderter Marktoberdorf. Entworfen wurde diese Wander-Ausstellung von den Südbayerischen Wohn- und Werkstätten für Blinde und Sehbehinderte in München.

„Die Resonanz war überwältigend. Über 700 Personen besuchten die „Erlebnis-Ausstellung“. Etlichen interessierten Klassen musste sogar abgesagt werden. Bürgermeister Werner Himmer regte an, diese Ausstellung, „die aufgrund der großen Nachfrage schon vor ihrer Eröffnung ein Erfolg war", irgendwann zu wiederholen. Denn: „Diese Erfahrung, die man hier sammelt, sollte wirklich jeder machen", so Himmer.

Messe „RehaFair“ in Berlin

Auf der 3-tägigen Messe „RehaFair“ in Berlin stellten die Behindertenbeauftragten aus dem Ober- und Ostallgäu, Herr Joachim Eß und Frau Waltraud Joa, den barrierefreien Tourismus des Allgäus vor. Das Tastmodell „Schloß Neuschwanstein“ stand im Mittelpunkt des Interesses der Besucher. Die Prospekte der barrierefreien Angebote aus dem Allgäu zur Freizeitgestaltung und Übernachtung fanden reißenden Absatz.

An dieser Stelle bedanke ich mich bei allen für die gute Zusammenarbeit  und Unterstützung.