Waltraud Joa
Beauftragte des Landkreises Ostallgäu für Menschen mit Handicap
 Telefon: +49 (0) 8342 - 42945

Mustergemeinde für Barrierefreiheit

Behindertenbeauftragte Waltraud Joa lobt die Fortschritt

Schwangau (pas). - „Schwangau entwickelt sich zu meiner Mustergemeinde für ein barrierefreies Zusammenleben“, freut sich Waltraud Joas, die Behindertenbeauftragte des Landkreises Ostallgäu. Zusammen mit ihren Mitarbeitern Renate Dantinger und Reiner Schweiger besuchte sie den Ort zum wiederholten Male in diesem Jahr. Sie wollte sich überzeugen, wie ihre Hinweise für mehr Barrierefreiheit umgesetzt worden sind, lobte das Geschaffene oder gab Tipps, wie mit kleinen Maßnahmen noch Verbesserungen geschaffen werden können. Ein nächster Schritt ist es, barrierefreie Unterkünfte ins Internet zu stellen und die Urlaubsregion für einen neuen Kundenkreis öffnen.

Waltraud Joa, selbst auf den Rollstuhl angewiesen, erklärte, dass barrierefreie Räume in den meisten Fällen bereits ausreichend seien, um auch Rollstuhlfahrern zu genügen. Bei einem privaten Vermieter am Südrand von Schwangau waren in einer Ferienwohnung alle Bedingungen für die Barrierefreiheit erfüllt, wie sich die Behindertenbeauftragte bei einer Rollstuhlfahrt durch alle Räume überzeugen konnte. Froh darüber, versprach sie die Aufnahme in die Datenbank für barrierefreie Unterkünfte, die in den Behinderten-Werkstätten Herzogsägmühle entstehen wird.

Von der Barrierefreiheit an der Kurapotheke im Mitteldorf war die Rollstuhlfahrerin hingerissen: Eine sanft ansteigende Rampe führt zum Eingang, die Notrufklingel und die Sprechanlage sind soweit abgesenkt, dass sie sitzend zu erreichen sind. Sogar das von Waltraud Joa noch vorgeschlagene i-Tüpfelchen, den Bordstein an der Steilseite farblich hervorzuheben, ist bereits in Arbeit, versicherte Apothekerin Heike Immler. „Das ist ein vorzügliches Beispiel für Barrierefreiheit“, strahlte Joa.

Ferien im Rollstuhl möglich

Eine rollstuhlgerechte Ferienwohnung im Hotel „Schneiderhanser“ begeisterte die Behindertenbeauftragte gleichermaßen. Zweckmäßige Griffe und Geländer im Sanitärraum, sogar ein auf Sitzhöhe abgesenkter Spiegel, viel Bewegungsfreiheit in den einzelnen Räumen, machten es ihr leicht mit dem Rollstuhl überall hinzukommen. Wandtische besaßen soviel Bodenfreiheit dass sie leicht mit dem Rollstuhl darunter rollen konnte. Martin Helmer hatte sich vor dem Umbau dieser Ferienwohnung mehrfach von Waltraud Joa wichtige Tipps geben lassen. „Jeder kann sich bei mir oder bei meinen Mitarbeitern solche Hinweise für barrierefreies oder rollstuhlgerechtes Umbauen einholen“, betonte Joa. Helmer versicherte, dass er beim vorgesehenen Umbau der alten Kurklinik barrierefreie Zimmer einplane und deshalb wieder ihre Hinweise dazu einholen werde.

Ohne großen Aufwand

Wie eine solche Beratung für barrierefreie Umbauten aussieht, erfuhr Christoph Helmer vom „Landgasthof Helmer“ in Horn. Er stellte mehrere Räume vor, die nicht ganz den Ansprüchen für Barrierefreiheit genügten. Durch das Versetzen einiger Zwischenwände, wie Reiner Schweiger ausmaß, wären auch dort ohne großen Aufwand barrierefreie Räume zu schaffen. Eine Möglichkeit, die Waltraud Joa befürwortete. Zumal es im Erdgeschoss des Gasthofes bereits einen „geradezu beispielhaft barrierefrei ausgebauten Sanitärraum“ gibt, dazu ein großer Lift und völlig stufenfreie Flure in allen Hotelgeschossen. Auf der Rückfahrt zum Rathaus lobte Waltrud Joa auch andere Maßnahmen in Schwangau, die für mehr Barrierefreiheit sorgen: An mehreren Stellen erleichtern abgesenkte Bordsteine den Übergang über die Straßen. Und der Aufzug im Schloss Neuschwanstein ermöglicht nun sogar den Rollstuhlfahrern, das Märchenschloss Ludwigs II. zu erleben.

Erst beraten lassen, dann bauen

Barrierefreiheit Behindertenbeauftragte Joa gibt Tipps in Schwangau

Schwangau l pas l Wer einen barrierefreien Umbau plant, sollte sich vorab kostenlos von Behindertenbeauftragten beraten lassen. Dies ist günstiger als ein späteres Nachbessern am fertigen Gebäude. Darauf wies Waltraud Joa, die Behindertenbeaufrragte des Landkreises Ostallgäü, bei einem Besuch in Schwangau hin. Und erlebte gleich zwei Beispiele dafür: Die Verantwortlichen von Outward Bound fragten bei Joa nach, was bei einem barrierefreien Umbau der Gebäude beachtet werden soll. Dies erfolgte nicht beim „Cafe Sauerwein": Dort haben Behinderte nach wie vor mit Hürden zu kämpfen.

Behinderte oft treue Gäste

„Ist das hier herrlich. So etwas Schönes sollte jeder Behinderte genießen können", sagte Waltraud Joa, als sie mit ihrem Rollstuhl neben der Aussichtsterrasse von Outward Bound stand. Vielleicht wird ihr Wunsch im Laufe der Zeit erfüllt. Denn bei Sanierüngs- und Umbauarbeiten, die an den über zwölf Jahre alten Gebäuden anstehen, soll auf mehr Barrierefreiheit geachtet werden. Joa und Anna-Maria Gräfin von Pocci, die Behindertenbeauftragte der Gemeinde Schwangau, wollen mit ihren Hinweisen die Planungen für mehr Barrierefreiheit im Bildungszentrum Outward Bound unterstützen. Besonders ins Gewicht fallen dabei die Tipps von Waltraud Joa, die an den Rollstuhl gebunden ist. „Behinderte, denen es an einem Ort gut gefällt,werden zu sehr treuen Gästen. Das wäre auch zum Vorteil für sie", meinte Joa an Hausmanagerin Melanie Keck gerichtet.

Mit ihrem Rollstuhl fuhr Joa prüfend durch das Hauptgebäude und zeigte Verbesserungsvorschläge auf. Eine Vielzahl von kleinen Hinweisen konnte die Behindertenbeauftragte geben. Die zu engen Treppenhäuser können aber nicht ausgebaut werden für Liftanlagen in die oberen Stockwerke. Doch hierfür gibt es andere technische Lösungen, wie Joa wusste. Sie wies auf mögliche Fördergelder dafür hin, die für einen barrierefreien Ausbau von Bildungsstätten winken.

„So ein herrliches Cafe. Schade, dass es für uns Behinderte nicht nutzbar ist", meinte Joa, als sie mit Hilfe von Anna-Maria Gräfin von Pocci und Tourismus-Direktorin Petra Köpf endlich einen Platz im neu angebauten Selbstbedienungs-Cafe an die Bäckerei Sauerwein erreicht hatte. „Wir Behinderten wünschen uns so sehr, dass wir auch selbstständig irgendwo hin gelangen und nicht jedes Mal auf fremde Hilfe angewiesen sind", sagte Joa. "Ich wurde bei der Planung des Cafes nie zur Beratung gezogen. Dabei habe ich die Grundlagen für barrierefreies Bauen gelernt", ärgerte sich Gräfin von Pocci.

Verbesserungsvorschläge

Die Beispiele für zu wenig Barrierefreiheit deckten die beiden Behindertenbeauftragten in dem sonst gut gelungenen Anbau auf. Sie hatten diese vorher mit Besitzer Alexander Sauerwein durchgesprochen. Nicht als Kritik, sondern als Verbesserungsvorschläge. So sei der gekieste Parkplatz nur mit geländegängigen Rollis zu befahren und die Auffahrrampe zum Geschäftseingang - an die erfreulicher Weise gedacht worden ist - viel zu steil, um diese mit unmotorisierten Rollis zu bezwingen. Eine weitere Hürde für Behinderte: Die steile Treppe zu den Toiletten im Kellerraum.