Waltraud Joa
Beauftragte des Landkreises Ostallgäu für Menschen mit Handicap
 Telefon: +49 (0) 8342 - 42945

Oft hilft bloßes Nachdenken

Aktionstag - Reges Treiben auf dem Stadtplatz - Großes Angebot lockt Besucher in Scharen an

«Irgendwie witzig. Aber wenn man das die ganze Zeit machen muss, ist das ganz schön blöd.»
Hannah und Annika haben gerade den Rollstuhl-Parcours absolviert. Einerseits fasziniert von diesem Eindruck, sind die Zehnjährigen andererseits froh, aus dem Rolli aufstehen zu können. Diese Station war die wohl beeindruckendste beim Aktionstag für die Jugend und Menschen mit Behinderung in Marktoberdorf. «Mauern einreißen und Brücken bauen»: Die Losung des ökumenischen Gottesdienstes zog sich wie ein roter Faden durch.

Rund 300 Ehrenamtliche hatten den Tag vorbereitet, der zum vierten Mal unter der Federführung von Kreisjugendring, Offener Behindertenarbeit und der Behindertenbeauftragten des Landkreises, Waltraud Joa, stand. Auf dem Stadtplatz und der angrenzenden Georg-Fischer-Straße gab es ein so breit gefächertes Angebot, dass es dem Besucher schwer fiel, sich zu entscheiden. Denn schließlich sorgte auch ein flottes Bühnenprogramm für jede Menge Unterhaltung. «So viel war hier bei den anderen Aktionstagen nicht los», stellten nicht nur Besucher fest, sondern auch Waltraud Joa und der Geschäftsführer des Kreisjugendrings, Erich Nieberle.

Immer wieder boten sich Situationen, die wegen ihrer Kontraste zum Schmunzeln anregten, wenn zum Beispiel junge Trachtler am Bühnenrand zu den Hip-Hop-Klängen und den Tänzen auf dem Podium wippten und klatschten.
Auch in diesem Punkt wurde der Sinn der Veranstaltung sichtbar: Vorbehalte abbauen und zueinander finden.

«Notwendig und gut»

Der Aktionstag möge Optimismus verbreiten, wünschte sich Schwabens Regierungspräsident Karl Michael Scheufele bei der Eröffnung. Als «notwendig und gut» beschrieb Landrat Johann Fleschhut die Veranstaltung. «Warum wissen wir nicht, wie wir miteinander umgehen sollen?» Dies sei eine der Grundfragen, auf die der Tag in Marktoberdorf Antworten geben sollte. Viele fanden sie.

Gemeinsam spielen und Spaß haben, lautete das Rezept für diese Stunden. Da wurde am Glücksrad gedreht, gefilzt, mit dem Lichtgewehr gezielt, Brot über offenem Feuer geröstet, der erste Schritt auf Rollen erlernt, eine Getränkekiste nach der anderen erklommen oder es folgte dank Farbe die Verwandlung in zauberhafte Elfen oder verwegene Piraten. Nicht minder groß war das häufig kind- und jugendgerecht aufgearbeitete Informationsangebot, obwohl sich Joa eine noch bessere Beteiligung von Selbsthilfegruppen gewünscht hätte.

Unter dem Strich sei der Aktionstag, so Joa und Nieberle, ein «Bombenerfolg». Auffallend viele Menschen mit Handicap waren gekommen, was beide als besonders erfreulich bezeichneten. Zwischen dem ersten Aktionstag vor sechs Jahren und dem am Samstag «liegen Welten». Das Verständnis füreinander sei gewachsen. Im Laufe der Jahre hätten sich Partnerschaften zwischen Jugendlichen - sei es aus Organisationen oder Schulen - und Behinderten entwickelt.

Rollstuhlrampe zugeparkt

«Viel passiert doch einfach nur aus Gedankenlosigkeit», stellte Joa fest. Das Beispiel am Samstag: Die Rollstuhleinfahrt zur Frauenkapelle ließ sich nicht benutzen. Sie war mit Fahrrädern zugeparkt.

Mehr nachdenken werden Robin und Valon, nachdem sie testweise mit dem Rollstuhl auf verschiedenem Untergrund - geteert, sandig, mit Kiesel und mit kleinen Steinen - gefahren waren. «Das geht ganz schön in die Arme. Am schwersten war es im Kiesel. Da kommt man fast gar nicht durch.»

Solche Erkenntnisse und die richtigen Konsequenzen daraus, das zeigte der Aktionstag, sind der Schlüssel, wie Behinderten die Tür in die «normale» Gesellschaft geöffnet werden kann.

Quelle: AZ Marktoberdorf

Senioren-Informationsbörse in Marktoberdorf

Mobilität ist ein Stück Lebensqualität

Senioren-Informationsbörse Erste Veranstaltung bringt noch nicht den erhofften Zuspruch. Vorträge und Stände kommen aber gut an

Marktoberdorf | ram | Die erste Informationsbörse für Senioren im Foyer des Modeon fand zwar zahlreiche Interessenten, aber noch nicht den erhofften großen Zuspruch. Bürgermeister und Schirmherr Werner Himmer dankte Ideengeberin Waltraud Joa, Behindertenbeauftragte der Stadt Marktoberdorf und des Landkreises, für deren Einsatz um das Zustandekommen. An einen Schlager erinnernd sagte er, dass mit 66 Jahren „noch lange nicht Schluss“ ist: „Die heutigen Senioren sind vital und bringen sich ins wichtige Ehrenamt ein“. Organisatorin Joa dankte den vielen Ausstellern und der Stadt. Die Eröffnung wurde von einem Querflötenduo der Musikschule umrahmt.

Das Vortragsthema „Führerschein mit 90?!“ war provokant gewählt: Dass die Mobilität ein Stück Lebensqualität bedeute, untermauerte Horst Menzel, Vorsitzender der Kreis-Verkehrswacht: „Ältere brauchen ihren Führerschein solange es geht zu Einkaufs- oder Arztfahrten“. Denn ohne diesen verlören sie ein großes Stück Unabhängigkeit, gerade wenn sie auf dem Land wohnen. Unsicherheiten bei Autobahnauffahrten seien häufig, daraus folgten Geisterfahrten. Menzel schlug technische Hilfsmittel im Auto vor wie große Spiegel, Einparkhilfen, Assistenz-Systeme sowie auch Kurse bei der Verkehrswacht.

Gerhard Kreis, Leiter der Polizei Marktoberdorf unterstrich, dass es auf die individuelle Gesundheit ankomme. In der Regel erfolgten nach Unfällen oder auffälligen Fahrten Meldungen an die Führerscheinstelle, die meist ein Gutachten fordere. Die Statistik zeigt, dass bei älteren Fahrern die Missachtung der Vorfahrt an erster Stelle von Unfällen steht. An den Pranger stellte Kreis „den schlechten ÖPNV (öffentlichen Nahverkehr)“. „Die Polizei ist kein Gegner älterer Fahrer“, so der Polizeichef. Jedoch sei immer auch an den Schutz anderer Verkehrsteilnehmer zu denken.

Als weitere Redner nannten Augenarzt Dr. Jürg Brändle und Krankenhaus-Oberarzt Dr. Thomas Kehle medizinische Gründe für ein „Aus“ hinter dem Pkw-Steuer. Die Augenkrankheit Star müsste dabei ebenso beachtet werden wie eine Makula-Degeneration, bei der das Zentrumssehen ausfällt. Hier sollte dem ärztlichen Ratschlag Folge geleistet werden, appellierte Brändle an die Einsicht. Schlechteres Hören, verlangsamtes Reagieren und Krankheiten beeinträchtigten laut Kehle das Fahren im Alter. Er wünschte sich Selbstüberprüfung und Selbstverantwortlichkeit. Manchmal helfe auch, Nachtfahrten zu unterlassen oder bei schlechtem Wetter das Auto stehen zu lassen.

Für eine weitgehend barrierefreie Stadt seien noch große Anstrengungen notwendig, wusste der künftige Marktoberdorfer Stadtbaumeister Peter Münsch. Sowohl die Stadt als auch Geschäfte müssten sich bei vielen Projekten für die Belange Älterer und Behinderter engagieren. Breitere Geh- und Radwege stehen auf dem Wunschkatalog sowie eine Verkehrsberuhigung zwischen Meichelbeck- und Bahnhofstraße. Über betreutes Wohnen und andere Wohnformen im Alter sprach Sabine Wengg von der Koordinationsstelle Wohnen zu Hause.

Mit dem Besuch der Vorträge zeigte sich Waltraud Joa sehr zufrieden, „angenehm überrascht“ war sie von den angesprochenen Inhalten. Die Veranstaltung sei notwendig und sollte in mehrjährigen Abständen wiederholt werden, meinte die Behinderten- und Seniorenbeauftragte der Stadt.

Über das vielseitige Angebot freute sich auch Emilie Martin aus Thalhofen, eine Besucherin der Senioren-Infromationsbörse. Sie betonte, dass man ganz schnell zum Pflegefall werden kann. Interessante Informationen boten 22 Aussteller und Krankenkassen sowie acht Selbsthilfegruppen aus dem ganzen Ostallgäu.

Eine "Woche der Sinne" in Marktoberdorf

Was ist was?
Woche der Sinne – eine Woche der Selbsterfahrung

Galerie der Sinne
Eine Galerie ist ein Ort, an dem Kunst in der persönlichen Auseinandersetzung den eigenen Horizont wesentlich erweitern kann. Auch in der SWW-Galerie entdecken die Besucher durch eine gezielte Stimulanz der Sinnesorgane kleine Kunstwerke, die bezaubern. Sehbehinderte vermitteln ihren Mitmenschen überraschende Erfahrungen, die diesen sonst wohl entgangen wären – ein Prozess, von dem beide Seiten nur profitieren können.

Blackbox mit Schwarzlicht-Kicker
Eine Blackbox ist ein Kasten, in den, was hineingeht, verändert wieder herauskommt. Auch aus der SWW-Blackbox tritt der Besucher anders heraus als hinein – er ist reicher um eine Sinneserfahrung besonderer Art. Völlig abgedunkelt erkennen wir bei ausschließ­licher Schwarzlichtbeleuchtung nur das, was weiß oder neonfarben ist. Werden solche Gegenstände bewegt, zum Beispiel Ball und Spieler eines Spezial-Kickers, entstehen faszinierende Lichteffekte, die auch Menschen mit normaler Sehkraft beeindrucken.

Klangbett
Dieses Bett hat es in sich: Integrierte Musikboxen ermöglichen die Wahrnehmung von Klängen, deren Bässe zu Demonstrationszwecken hochgefahren werden können. Selbst menschliche Stimmen werden für Behinderte, denen das sonst schwerfällt, auf einfache Weise erfahrbar. Denn die vergrößerte Auflagefläche beim Liegen und die sich ergebende Tiefenentspannung unterstützen die Aufnahme der Töne über den Brust-Bauch-Raum. Erleben Sie Pop und Klassik auf aufregend neue Art!

Tastwege-Parcours
Unser Rundgang führt an einer Leitlinie mit unterschiedlich befüllten Stoffbeuteln entlang. Deren äußere Gestaltung spricht bereits durch ihre Leuchtfarben an und bietet darüber hinaus für Menschen mit Restsehvermögen verbesserte Orientierungsmöglichkeiten. Der Clou ist jedoch die Befüllung: Je nach Jahreszeit bieten sich dafür immer neue, zum Teil duftende Gegenstände an. Sie werden staunen, wie auch Dingen des täglichen Lebens durch Sensibilisierung eine neue Qualität zuwächst.

Low-Vision-Webstuhl
Dieser nur auf den ersten Blick gewöhnliche Webstuhl ist für die speziellen Bedürfnisse blinder und sehbehinderter Menschen ausgerüstet worden. Ihnen fällt es leicht, Webstrukturen zu erfassen. Ein Hebel dient zum Umtreten der beiden Schäfte. Damit sind die Anordnung der Litzen gemeint, die einen hohen und einen niedrigen Kettfaden führen und die sog. Leinwand-Bindung ergeben. Die größte Hilfe schafft jedoch die Pneumatik, die aus Sicherheitsgründen nur durch gleichzeitiges Betätigen zweier Schalter ausgelöst wird. Der Luftdruck ermöglicht auch körperbehinderten Menschen die Arbeit am Webstuhl.

Fotoausstellung „anders sehen“
Einblicke in ganz andere Lebensentwürfe. Portraits und Momentaufnahmen und Bildgeschichten von behinderten Frauen und Männern. Beim Arbeiten, Ausruhen und Nichtstun, in Therapie und Freizeit, beim Feiern und Traurigsein. Einfach schöne Bilder von einfach schönen Menschen – bewusst nicht gerahmt und hinter Glas, sondern auf Stoffbahnen gedruckt präsentiert.

Bild-Ton-Schau „anders sehen“
Die Autoren möchten mit ihrem Projekt ein anderes Sehen provozieren: einen unverstell­ten, offenen Blick. Ohne Mitleid , Scheu oder falsche Sentimentalität. Die Ästhetik dient dabei als Türöffner. Es gilt, die individuelle Schönheit in den Bildern der behinderten Menschen zu entdecken.

„Mit den Händen sprechen“
Märchen waren, lange bevor sie durch die Bearbeitung der Brüder Grimm 1812 zu „Kinder- und Hausmärchen“ wurden, kleine epische Formen, die von professionellen Darbietern mit lebhaften Gesten, z. T. auch mit Gesangseinlagen, die Zuhörer in ihren Bann zogen. Angelika Hommel, Leiterin der Gehörlosen-Selbsthilfegruppen Marktoberdorf, wird Märchen in Gebärdensprache erzählen.

Neuschwanstein zum Ertasten
Eines der schönsten Schlösser der Welt und Haupt-Attraktionen des Allgäus wurde im Maßstab 1:100 nachgebaut, um blinden und sehbehinderten Menschen einen Eindruck dieses Märchenschlosses von König Ludwig II. zu vermitteln. Auch Sie haben die Mög­lichkeit, mit den Händen eine Vorstellung von der Architektur des Schlosses zu gewinnen.