Barrierefreies Allgäu & Außerfern
Das Kooperationsprojekt „Allgäu & Außerfern barrierefrei“ hat eine weiteren wichtigen Projektschritt erreicht. In den Sommermonaten wurden 16 künftige Erfasserinnen und Erfasser für das Ostallgäu ausgebildet und mit Arbeitsmaterial ausgestattet. Zeitgleich wurden in der gesamten Region öffentlich zugängliche Einrichtungen notiert, die Interesse an einer Betrachtung der Örtlichkeiten unter den verschiedenen Kriterien der Barrierefreiheit haben.

Hermann Neuner (links) und Isabella Dost
(rechts) aus der Marktgemeinde Waal sind zwei
von insgesamt 16 geschulten Erfassern, die nun
im gesamten Landkreis tätig werden. Landrat
Johann Fleschhut (Mitte) übergab die Koffer mit
den Arbeitsmaterialien für die
Bestandsaufnahmen.
Nach dem erfolgreichen Start mit einer zentralen Veranstaltung am 26.04.2010 in Marktoberdorf mit Staatsminister Martin Zeil und den Projektpartnern aus den Landkreisen Ostallgäu, Unterallgäu, Oberallgäu, Lindau und Tirol-Außerfern kam das Projekt richtig in Fahrt.
Der Landkreis Ostallgäu als Projektträger und sogenannter „Lead-Partner“ der Kooperationsidee hat die Qualifizierung der 16 interessierten Erfasserinnen und Erfasser für die Region durchgeführt. Frauen und Männer aus dem gesamten Landkreisgebiet haben für das kompakte Ausbildungsmodul an fünf Tagen die Schulbank gedrückt und sich über die Belange der Menschen mit Mobilitätseinschränkungen und Handicaps informiert. Die Prüfungsbögen, die es nun abzuarbeiten gibt, wurden detailliert gemeinsam diskutiert und zunächst theoretisch aufbereitet. Das Seminar enthielt aber auch fundierte Praxisteile vor Ort und ein spezielles Sensibilisierungsseminar. Hier ging es insbesondere darum, selbst zu erleben und zu erspüren, welche Beeinträchtigungen die verschiedenen Formen der Behinderungen mit sich bringen und welche Anforderungen damit verbunden sind.
Was soll das Projekt bewirken?
Es soll Erleichterungen im Alltag für die Bürger/innen und Gäste in unserer Region schaffen, Belange der Senioren und Menschen mit Behinderung sensibilisieren und für eine Verbesserung der Infrastruktur sorgen. Dabei werden detaillierte Informationen über Zugänglichkeit und Nutzbarkeit für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen zusammengestellt.

Straßenquerung mit Blindenleitsystem
„Wir wollen hier klare Impulse zur Sensibilisierung für die Belange der Menschen mit Handicap setzen und die Region deutlich weiter entwickeln.“, stellt Waltraud Joa, Behindertenbeauftrage klar und ist mit der großen Resonanz sehr zufrieden.
Wie gehen wir dabei vor?
Insgesamt werden in der Projektregion über 800 Objekte detailliert erhoben. Die Erfasserteams besuchen – vorwiegend in Zweier-Gruppen – Rathäuser, Schwimmbäder, Theater, Kindergärten und Sportstätten. Hoteliers und Gastronomen haben sich ebenfalls gemeldet, um Informationen rund um das Thema im Hinblick auf ihren konkreten Betrieb zu erhalten und auch aus dem Bereich des Einzelhandels kommen Anfragen.

Erhebung in einer Marktoberdorfer Apotheke
Die Koordination der Terminierung der Vor-Ort-Besuche erfolgt über das Landratsamt Ostallgäu, während Waltraud Joa die Einteilung der Erfasserteams vornimmt. Die erhobenen Daten werden an das Landratsamt geliefert und über den Projektpartner „Herzogsägmühle“ in Peiting ausgewertet und aufbereitet.
Was passiert mit den erhobenen Daten?
Im Frühjahr 2011 kann jeder die einzelnen Anbieter, so weit sie schon erhoben sind, auf einer Datenbank im Internet einsehen. Für das Ostallgäu sind bereits über 200 Objekte für eine Erhebung angemeldet. Mit Sicherheit werden weitere hinzukommen.
Woran wird man ein barrierefreies Objekt in der Öffentlichkeit erkennen?
Wenn das erhobene Objekt die Kriterien der Barrierefreiheit erfüllt bzw. rollstuhlgerecht ist, dann wird es den „Weißen Pfeil auf gelbem Grund“ erhalten.

Dieses Zeichen signalisiert, dass Senioren und Menschen mit Handicap hier gut zu recht kommen.
Das Projekt stößt über die Grenzen des Allgäu hinaus auf großes Interesse. Das Bayerische Fernsehen war mit einem Kamerateam im Sommer zu Gast und berichtete über die Projektidee. Landrat Johann Fleschhut war eingeladen, „Allgäu & Außerfern barrierefrei“ bei einer Tourismusfachtagung in München und der INTERREG-Jahrestagung 2010 in Lindau vorzustellen.

Dreharbeiten mit dem Bayerischen Fernsehen in Füssen